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Optimale Bestell­menge

einfach erklärt

Hinweis: Gendergerechte Sprache ist uns wichtig. Daher verwenden wir auf diesem Portal, wann immer möglich, genderneutrale Bezeichnungen. Daneben weichen wir auf das generische Maskulinum aus. Hiermit sind ausdrücklich alle Geschlechter (m/w/d) mitgemeint. Diese Vorgehensweise hat lediglich redaktionelle Gründe und beinhaltet keinerlei Wertung.
Definition

Definition: Was ist die optimale Bestellmenge?

Die optimale Bestellmenge ist die Bestellmenge, bei welcher die Summe aus den Bestell- sowie Lagerhaltungskosten für einen vorgegebenen Servicegrad, also den Grad der Lieferbereitschaft eines Unternehmens, im Planungszeitraum ein Minimum aufweist. Einfach erklärt lässt die optimale Bestellmenge sich mit dem Grundsatz „möglichst niedrige Lagerhaltungskosten“ umschreiben. Dabei darf allerdings die sogenannte Liefertreue, also die Einhaltung der Lieferfrist, nicht leiden. Unternehmen haben dabei auf dem Lager nur die Anzahl an Produkten und Materialien vorrätig, die für den Betrieb wirtschaftlich am günstigsten sind.

Die optimale Bestellmenge und der Lagerbestand

Bei der Frage, was die optimale Bestellmenge ist, spielen auch die Faktoren Bestellkosten, Mengenrabatte und der Absatz innerhalb eines Jahres eine wichtige Rolle. Dazu kommen der Herstellungsprozess und der Produktvertrieb, welche ebenfalls als Kennzahlen erheblich sind. Unternehmen sind aus wirtschaftlichen Gründen an der Ermittlung der optimalen Bestellmenge interessiert. Diese Kosten sind elementar für den Handel mit den jeweiligen Waren und Produkten. Durch eine lange Lagerhaltung werden die Liquidität und das Kapital des Unternehmens geschwächt. In der Folge können zum Beispiel dringend notwendige Ausgaben nicht mehr getätigt werden, weil zu viel Kapital im Lager gebunden ist. Die Ermittlung der optimalen Bestellmenge für den durchschnittlichen Lagerbestand ist daher der passende Lösungsansatz.

Welche Faktoren spielen bei der optimalen Bestellmenge eine Rolle?

Die optimale Bestellmenge wird von folgenden Faktoren beeinflusst:

  • Bestellkosten
  • Lagerhaltung und Lagerhaltungskostensatz
  • Warenabsatz auf ein Jahr bezogen
  • Lieferdauer
  • Einkauf und Bedarf

Was muss man bei den Kosten für die Lagerung beachten?

Bezüglich der Kosten sind dabei zwei Aspekte zu beachten:

  • Wenn Unternehmen häufig kleine Mengen bestellen, ist der Lagerhaltungskostensatz zwar gering, dafür steigen aber die Kosten der Bestellung. Die Bestellhäufigkeit ist somit ein wichtiger Faktor.
  • Sofern eine Firma hingegen selten, dafür aber große Mengen bestellt, sind die Lagerhaltungskosten höher und die Bestellkosten geringer.

Bezugskosten und Bestellkosten

Jede Bestellung ist für ein Unternehmen mit Gesamtkosten verbunden. Diese setzen sich zusammen aus:

Internen und externen Personalkosten

Die Aufgabe einer Bestellung muss koordiniert werden. Lieferanten- und Personalkosten entstehen immer unabhängig von der Höhe der jeweiligen Bestellmenge. Variabel indessen sind die Transportkosten, da diese vom Volumen und Gewicht der Güter abhängen.

Kosten der Lagerhaltung

Der jeweilige Lagerbestand, bzw. der dafür notwendige Raum, löst Kosten aus. Hier fällt nicht nur die Miete an, sondern es entstehen ebenfalls Personalkosten. Diese können durch die Ermittlung der optimalen Bestellmenge gemindert werden.

Den abgesetzten Waren pro Jahr

Hohe Verkaufszahlen sind die Folge eines gut verwalteten Lagerbestands. Die optimale Bestellmenge ist also am Absatz auszurichten.

Der Lieferdauer

Eine längere Lieferdauer kann ebenfalls ein Kostenfaktor sein. Dies ist insbesondere der Fall, wenn Waren aus dem Ausland geliefert werden. Zudem muss dann auch der Zeitpunkt der Bestellung nach vorne gelegt werden.

Den Einkaufspreisen

Die optimale Bestellmenge hängt mit den jeweiligen Einkaufspreisen zusammen. Im Fall von Mengenrabatten zum Beispiel fällt der Kostenfaktor Einkaufspreis.

Bei der Ermittlung aller Faktoren rund um die Kosten kann es manchmal sinnvoll sein, die optimale Bestellmenge zu unterschreiten. Dagegen bieten höhere Bestellmengen Vorteile durch günstigere Einkaufspreise und höhere Mengenrabatte. Die Entscheidung eines Unternehmens, die optimale Bestellmenge zu unterschreiten, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab sowie von der Höhe der Bestellung und der Menge.

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Wie lässt sich die optimale Bestellmenge berechnen?

Die optimale Bestellmenge wird in vielen Fällen mit der sogenannten Andler-Formel ermittelt. Nach dieser Methode ist die optimale Bestellmenge q die Wurzel aus dem Jahresbedarf mal den Bestellkosten mal zwei, geteilt durch den Produktwert mal dem Lagerkostensatz:

Info

Die Andler-Formel zur Berechnung der optimalen Bestellmenge

q = √((2 ∙ Jahresbedarf ∙ Bestellkosten)/(Produktwert ∙ Lagerkostensatz))

Die rechnerische Lösung erfolgt dabei in einzelnen Schritten. Im Grunde genommen handelt es sich bei der Ermittlung der optimalen Bestellmenge nämlich um eine Formelsammlung. Deshalb sollten vorab folgende Begriffe definiert werden:

  • Bestellmenge: Die Bestellmenge ist eigentlich die Produktmenge, die ein Unternehmen mit einer Bestellung anfordert.
  • Bestellkosten: Sämtliche Bestellkosten müssen pro Auftrag, bzw. Bestellung angegeben werden. Man versteht darunter die Kosten, welche für Lieferung, Verpackung sowie für Lieferanten anfallen.
  • Lagerkosten: Die Lagerkosten fallen bei jedem eingelagerten Produkt an und werden pro eingelagerter Einheit angegeben. Sie setzen sich zusammen aus dem Produktwert (w) und dem Lagerhaltungskostensatz (i).
  • Gesamtmenge: Die Gesamtmenge nennt den Umfang der Produkte, welche ein Unternehmen innerhalb einer betrachteten Periode benötigt.

Die Herleitung der Andler-Formel lautet:

Bestellkosten berechnen

Die Bestellkosten K_B ergeben sich aus der Gesamtmenge m pro Zeitperiode geteilt durch die Bestellmenge q je Auftrag mal den Bestellkosten pro Auftrag K_B.

K_B = ((Gesamtmenge m pro Zeitperiode)/(Bestellmenge q je Auftrag)) ∙ Bestellkosten pro Auftrag K_B

Lagerkosten ermitteln

Lagerkosten pro Stück sind gleich der Wert w pro Stück mal Lagerkostensatz i. Der Lagerkostensatz i wiederum ergibt sich aus physischen Lagerkosten mal Kapitalbindungskosten.

K_L = (q/2) ∙ Lagerkosten pro Stück

Lagerkosten pro Stück = Wert w ∙ Lagerkostensatz i

Lagerkostensatz i = physische Lagerkosten i_ph ∙ Kapitalbindungskosten i_K

Gesamtkosten Minimum ermitteln

Die Gesamtkosten ergeben sich aus Bestellkosten plus Lagerkosten.

K_G = K_B + K_L

Optimale Bestellmenge nach der Andler-Formel

Die Gesamtkosten müssen im Folgenden abgeleitet und auf 0 gesetzt werden. Das Resultat ist dann die Andlersche Formel: Optimale Bestellmenge ist die Wurzel aus 2x Gesamtmenge mal Bestellkosten geteilt durch Wert pro Stück mal Lagerkostensatz. Die Andler-Formel hilft dabei, den Zielkonflikt zwischen minimalen Bestellkosten und gleichzeitig minimalen Lagerkosten zu lösen.

q = √((2 ∙ m ∙ K_B) / (w ∙ (i_K + i_ph)))

Alternative Wege zur Ermittlung der optimalen Bestellmenge

  • Alternativ lässt sich die optimale Bestellmenge auch über einen graphischen Lösungsweg ermitteln. In der Grafik erkennt man sie an dem Punkt, an dem die Lagerkosten und die Gesamt- bzw. Bestellkosten minimal sind. Diese Vorgehensweise bedingt, dass die Daten für die Lager- und Bestellkosten vorliegen müssen. Stehen diese Werte zur Verfügung, können sie einfach in ein Koordinatensystem eingezeichnet werden. Das Optimum befindet sich an dem Punkt, an dem sich die Lagerkostenkurve und die Bestellkostenkurve schneiden bzw. die Gesamtkostenkurve ihren Tiefpunkt erreicht.
  • Um die optimale Bestellmenge zu ermitteln, kann zum Beispiel ebenfalls eine Excel-Tabelle herangezogen werden:
Bestellmenge
Bestellhäufigkeit
Kosten
Lager
10.000
1
500 Euro
5000
5000
2
1000 Euro
2500

Anhand einer solchen Tabelle kann man identifizieren, welche Bestellmenge die kostengünstigste ist.

Kritik an der Ermittlung der Andler-Formel

Die Methode der optimalen Bestellmenge kennt Vor- und Nachteile. Kritiker betonen, dass es sich bei dieser Form der Ermittlung um „Idealfälle“ handelt, welche so in der Realität selten in Erscheinung treten. Die Formel berechnet immer nur die Bestellung eines bestimmten Artikels. Werden bei einem Lieferanten mehrere unterschiedliche Artikel bestellt, kann sie nicht mehr eins zu eins angewendet werden. Aus diesem Grund können auch Staffelpreise mit der Andler-Formel nicht verarbeitet werden, da hiermit kein linearer Verlauf der Lagerkostenkurve festgestellt werden kann.

Weitere Kritikpunkte:

  • Eine Berücksichtigung periodischer Schwankungen im Verkauf findet nach der Andler-Methode nicht statt. Voraussetzung für die Berechnung nach der Andler-Formel sind ganzjährig gleichmäßig laufende betriebliche Prozesse.
  • Die Andler-Methode berücksichtigt nicht die zeitliche Spanne, in der gelagerte Waren Kosten verursachen.
  • Wenn Firmen hohe Lagerbestände aufbauen, beeinträchtigt das die Flexibilität der Produktion. So kann auf veränderte Kundenwünsche nur langsam reagiert werden. Ladenhüter können entstehen.
Info

Kriterien von Unternehmen, die sich für die Ermittlung einer kostenoptimalen Bestellmenge eignen

Die Ermittlung einer kostenoptimalen Bestellmenge ist am besten für Unternehmen geeignet, auf die folgende Kriterien zutreffen:

  • Standardproduktionen
  • Verkauf von Artikeln mit hohem Einkaufswert
  • Warenangebot, das nur bei bestimmten Lieferanten zu beschaffen ist und das sich auf

Trotzdem sollten aber auch immer sämtliche betriebliche Faktoren und Prozesse berücksichtigt werden.

Zusammenfassung

Optimale Bestellmenge zusammengefasst

  • In Unternehmen beeinflussen individuelle Faktoren die optimale Bestellmenge und die optimale Bestellhäufigkeit. Daher sollte jede Firma für sich selbst diese beiden Kennzahlen berechnen und regelmäßig auf Wirtschaftlichkeit prüfen.
  • Für die Berechnung der kostenoptimalen Bestellmenge kann die Andler-Formel herangezogen werden. Alternative Wege sind ein grafischer Lösungsweg oder Excel-Tabellen.
  • Die optimale Bestellmenge wird bedingt von zwei Größen: den Bezugskosten und den Lagerkosten.
  • Bezugs- und Lagerkosten verhalten sich entgegengesetzt, denn je größer die bestellte Liefermenge, umso geringer sind die Bestellkosten.
  • Je kleiner eine Bestellmenge ist, umso höher sind die Bestellkosten, da Firmen eventuell auch häufiger bestellen müssen. Die Lagerkosten sind bei einer kleinen Bestellmenge allerdings geringer, da somit weniger Kapital gebunden wird.
  • Die Andler-Formel für die optimale Bestellmenge hat Vor- und Nachteile. Zu beachten ist, dass diese Methode sich nicht für Unternehmen eignet, die individuelle oder saisonale Schwankungen bei Produktion, Vertrieb oder Lagerung zu berücksichtigen haben.